09.08.2026
Das Lotus Quartett verzaubert Lienzingen mit Mozarts späten Streichquartetten
Mühlacker-Lienzingen. Im Rahmen des Festivals „Musikalischer Sommer“ gestaltete das renommierte Lotus Quartett in der letzten Matinee vor der Sommerpause Kammermusik auf allerhöchstem Niveau.
Anstelle von effektvollen Kontrasten durch Werke verschiedener Epochen widmete sich das Ensemble ausschließlich den drei sogenannten „Preußischen Quartetten“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Die dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. gewidmeten Werke KV 575 (D-Dur), KV 589 (B-Dur) und KV 590 (F-Dur) entstanden im letzten Lebensjahr des Komponisten und sind Zeugnisse einer höchst vollendeten Komponierkunst, die mehr denn je alle vier Spieler in gleichem Maße am musikalischen Geschehen teilhaben lässt. Christine Busch, Sachiko Kobayashi (beide Violinen), Tomoko Yamasaki (Viola) und Chihiro Saito (Violoncello) entfalteten das Ideal eines lebendigen, absolut gleichberechtigten „Gesprächs von vier vernünftigen Leuten“ - ganz im Sinne Goethes. Die reiche Variationstechnik mit komplexem Figurenwerk und chromatischen Wendungen stellt extreme Anforderungen und blindes Verständnis im Zusammenspiel der Interpreten und dies bei Wahrung der für Mozart so typischen Leichtigkeit. Meisterhaft spürte das Lotus Quartett den gelegentlichen Molleinbrüchen und subtilen harmonischen Verdunkelungen nach, die vor allem Mozarts Spätwerk so doppelbödig erscheinen lassen.
Dabei erwies sich die Neubesetzung mit Christine Busch als ganz hervorragende Mozart-Interpretin mit ihrem stilsicheren, äußerst differenzierten Spiel als wahrer Glücksfall.
Dass diese kultivierte Quartettspielkunst, beflügelt vom lichten Raum der voll besetzten Frauenkirche Lienzingen, nichts von ihrer Attraktivität verloren hat, bewies das innige Hören, ein Nachhören über den zuletzt verklungenen Ton hinaus und schließlich der herzliche Beifall des begeisterten Publikums.
(Text und Foto veröffentlicht: 09.08.2026 - pw)