26.06.2026
„Musikalischer Sommer“ bietet Konzert mit Stars von morgen. (Mühlacker Tagblatt)
Mühlacker-Lienzingen. Dass nicht nur renommierte Künstler und Ensembles großartige Konzerterlebnisse zu schaffen vermögen, bewies die Matinee am Sonntag in der Lienzinger Frauenkirche im Rahmen des „Musikalischen Sommers“. Helle Begeisterung und große Bewunderung lösten die drei hochtalentierten Musiker, die 16-jährige Geigerin Elisabeth Gühring, die 18-jährige Cellistin Anna Meipariani und der 17-jährige Pianist Kolja Hölscher beim zahlreich erschienenen Publikum aus, das sich im kühlen Inneren des Kirchenraumes einfand, während sich draußen die Temperaturen auf über 30 Grad hochschraubten.
Stürmischen Beifall entfachte gleich zu Beginn das bis ins feinste Detail ausgestaltete und mit viel Spielfreude vorgetragene Klaviertrio C-Dur Hob. XV:27 von Joseph Haydn.
Die klug disponierte Programmfolge brachte danach in rascher Aufeinanderfolge drei höchst virtuose Solodarbietungen:
Wie eine einzige, großangelegte, faszinierende Erzählung in Tönen zelebrierte Anna Meipariani die von tiefem Ernst, aber auch gedämpfter Fröhlichkeit geprägte Sonate für Violoncello solo von Eugène Ysaÿe. Mit leidenschaftlicher Hingabe und spieltechnischer Souveränität gelang ihr eine bewundernswerte Wiedergabe von höchster Ausdruckskraft.
Dann Béla Bartóks Rhapsodie Nummer 1, ein brillantes Virtuosenstück mit unverkennbar ungarischem Kolorit und den für den Komponisten so typischen markanten Rhythmen, rasanten Tempowechseln und rustikalen Akkordfolgen. Eine meisterhafte Wiedergabe der so jungen Geigerin!
Und schließlich „Scarbo“, der extrem virtuose Schlusssatz aus Maurice Ravels dreiteiligem Poeme „Gaspard de la nuit“ für Klavier. Der listige Kobold „Scarbo“ treibt darin ausgelassen und in allerhöchstem Espressivo sein Unwesen – und brachte den kleinen Kawai-Flügel hart an seine klanglichen Grenzen – nicht jedoch den souverän spielenden Kolja Hölscher.
Eine weitere, von den drei Spielern großartig bewältigte Herausforderung gab es dann nach der Pause mit dem sechssätzigen „Dumky“-Trio von Antonín Dvořák. Als „Pan Dvořák“ soll sich dem Vernehmen nach der Komponist selbst benannt haben und spielte damit auf die in seinem Wesen liegenden raschen Stimmungsumschwünge an. In kaum einem anderen Kammermusikwerk offenbaren sich diese Wesenszüge unmittelbarer als in dem von ihm selbst so benannten „Dumky“. Die für die Dumka so charakteristischen, stetigen Wechsel von langsam-schnell, schwermütig-übermütig, Dur-Moll wurden von den Dreien in jugendlich zupackender Frische umgesetzt und vom Publikum mit begeistertem Applaus und großer Anerkennung quittiert. Eine beglückende Lienzinger Sternstunde!
(Mühlacker Tagblatt vom 26.06.2026, Text: pm - Foto: Eva Filitz)