Virtuos und warmherzig – Karidion begeistert mit adventlichen Klängen

02.12.2025

Festliche Bläserklänge im Uhlandbau: Das Quintett Karidion verzaubert sein Publikum mit virtuoser Spielfreude und adventlichem Glanz.  Foto: Bastian 
Festliche Bläserklänge im Uhlandbau: Das Quintett Karidion verzaubert sein Publikum mit virtuoser Spielfreude und adventlichem Glanz. Foto: Bastian

Mühlacker. Der strahlende, festliche Klang von Blechblasinstrumenten schafft eine Atmosphäre, die wunderbar zur Advents- und Weihnachtszeit passt. In diesen dunklen letzten Wochen des Jahres sind wir anders gestimmt als das Jahr über und lassen Gefühle näher an uns heran. Es melden sich Erinnerungen aus der Kindheit zurück, und es werden Sehnsüchte nach Gemeinschaft und Verbundenheit geweckt. Das Adventskonzert des Blechbläser-Quintetts „Karidion“ als zweites in der Winter-Konzert-Reihe MühlackerConcerto im Uhlandbau war von Peter Wallinger, dem Initiator und Veranstalter, gerade deswegen auch sehr gut platziert.

Die fünf Vollprofis Jasmin Ghera, Trompete, José Rabasco, Trompete, Mathias Stelzer, Horn, Vincent Warratz, Posaune, und Robert Nelkenstock, Tuba, beherrschen ihre Instrumente aufs Feinste, das ist gar keine Frage. Sie atmen zusammen, hören einander zu, intonieren tadellos, finden einen Gleichklang in der Dynamik und spielen auch größte technische Herausforderungen mit jugendlich-unbeschwerter Leichtigkeit. Wie es zu dem Namen „Karidion“ kam, konnte man im Programmheft lesen: „Wenn Kari, der Herrscher der Winde, auf Dionysus, den Gott der Ekstase, trifft, heißt es Vorhang auf für Kari-Dion.“ Das Repertoire ihres Auftritts im Uhlandbau bestand in der ersten Konzerthälfte aus Bearbeitungen bekannter Werke großer Komponisten wie Dimitri Schostakowitsch, Tomaso Albinoni, Johannes Brahms, Samuel Scheidt, Jean-Philippe Rameau und Pietro Mascagni, und in der zweiten aus adventlich-weihnachtlichen europäischen und amerikanischen Liedguts. Dass gelegentlich kleine Patzer passieren, etwa bei Albinoni, ist überhaupt nicht schlimm und zeigt, dass selbst Berufskünstler dieser Kategorie von dieser Welt und aus Fleisch und Blut sind. Der Gesamteindruck am Sonntagabend war überaus positiv, das zeigte sich auch an den Reaktionen des Publikums, das insbesondere die jazzigen, harmonisch raffinierten Arrangements, die nach der Pause erklangen, mit herzlichem Applaus quittierte.

Originell und knifflig

Originalkompositionen für Blechbläser-Quintett gibt es nicht viele, deshalb wird arrangiert, was bedeutet, dass Orchesterstücke oder auch andere Literatur auf die Stimmen eines Bläserapparates – bei Karidion auf zwei Trompeten, Horn, Posaune und Tuba – übertragen werden. Mehrere dieser Transkriptionen entstammten am Sonntag der Feder des Karidion-Posaunisten Vincent Warratz, darunter Rameaus „Hymne an die Nacht“ und zwei neckische Weihnachtsbearbeitungen: „That’s Christmas to me“ und „Christmas Lullaby“.

Beispielhaft drei Höhepunkte aus der knapp zweistündigen Programmfolge: Die „Jazz-Suite Nr. 2“ von Dimitri Schostakowitsch, eine hochoriginelle Komposition, die auch in der Einrichtung für Blasinstrumente ihre Wirkung nicht verfehlt. Das „Concerto St. Marc“ von Tomaso Albinoni, dessen polyphones Allegro für die hohe Piccolo-Trompete ganz schön knifflig ist. Und das alte französische Noël „Entre le bœuf et l’âne gris“, bei dem man nicht unbedingt jazzige Eskapaden erwartet hatte.

Die Mitglieder des Quintetts haben sich im Jahr 2015 während ihres Studiums an der Karlsruher Musikhochschule kennengelernt und schon damals zu einem festen Ensemble zusammengeschlossen. Bleibt zu bemerken, dass Jasmin Ghera und José Rabasco als Gastspieler mitwirken, während die beiden Stammtrompeter Tobias Krieger und Johann Prinz zurzeit anderswo verpflichtet sind. Dies erfuhr man in der eloquenten Moderation des Hornisten Mathias Stelzer.

(Pforzheimer Zeitung vom 02.12.2025, Text und Foto: Dietmar Bastian)